In 10 Schritten die Arbeitgeberattraktivität erhöhen

Zuletzt aktualisiert:
28/12/2021
28/12/2021
Minuten Lesedauer
Leon Hauber
Die Arbeitgeberattraktivität bestimmt, wie groß das Interesse an Ihrem Unternehmen und Stellenangeboten ist. Sie ist Teil des Employer Brandings.
Inhalt

Einer der Gründe, warum es für Unternehmen schwierig ist, Fachkräfte und Talente zu finden, ist die Attraktivität als Arbeitgeber. Bewerber*innen schauen heute genauer hin, bei wem sie sich auf eine Stelle bewerben. Sie vergleichen Unternehmen auf Bewertungsplattformen und in sozialen Netzwerken. Gleichzeitig wirkt die Arbeitgeberattraktivität nach innen: Mitarbeiter*innen wollen ihre Firma als einen attraktiven Arbeitsort sehen, an dem es Spaß macht zu arbeiten.

Definition der Arbeitgeberattraktivität

Ein Unternehmen, das sich um sein Image und Ansehen bei Kandidat*innen und Angestellten bemüht, macht den ersten Schritt zur Arbeitgeberattraktivität. Es gehört aber mehr dazu, als nur schöne Worte. Um als guter Arbeitgeber wahrgenommen zu werden, müssen sie gleich mehrere Bedingungen erfüllen. Es gibt einige Faktoren, die wichtig für die Arbeitgeberattraktivität sind:


Bei der Arbeitgeberattraktivität wird oft vom Employer Branding gesprochen. Dabei geht es darum, wie Sie Ihr Unternehmen als Arbeitgebermarke entwickeln. Diese Marke sagt aus, wofür Ihre Firma steht, welche Ziele sie als erstrebenswert erachtet und welche Werte wichtig sind.

So können Sie die Arbeitgeberattraktivität messen

Was man in Zahlen ausdrücken kann, kann man messen, lautet eine alte Weisheit. Bei der Attraktivität als Arbeitgeber bezieht sich das auf die Bereiche Bewerbungsverfahren, Gehalt und Arbeitszeiten. Hier können Kennzahlen angelegt werden, die dann verglichen werden. 

Es gibt keine einheitliche Vorschrift, aber gerade die Gehälter und die Arbeitszeiten sind recht einfach darzustellen. Hier gibt es entweder Durchschnittsgehälter und -zeiten, oder Sie können diese nach Fachbereichen und Kompetenzen aufschlüsseln.

Beim Bewerbungsverfahren kann gemessen werden, ob Sie bestimmte Punkte erfüllen. Je mehr Punkte, umso höher ist in diesen Bereich Ihre Attraktivität als Arbeitgeber. Zu den wichtigsten Schritten, die Sie in einem modernen Bewerbungsverfahren anbieten sollten, gehören:

  • Online-Bewerbung
  • Video-Interviews
  • Automatisierte und individualisierte Kommunikation
  • Elektronische Terminvereinbarung
  • Online-Tests
  • Newsletter für Kandidat*innen

Die betrieblichen Nebenleistungen lassen sich ebenfalls gut vergleichen. Kandidat*innen können Tabellen anlegen, welcher Arbeitgeber welche Leistungen anbietet. Wer mehr und bessere Corporate Benefits bereithält, schneidet entsprechend besser ab. Zu den Angeboten, die bei der Arbeitgeberattraktivität helfen, gehören:

  • Fahrtkostenzuschüsse
  • Kita-Geld
  • Home-Office-Einrichtung
  • Dienstwagen
  • Laptop und Handy zur Privatnutzung
  • Boni
  • Zuschüsse zu Versicherungen

Um zu wissen, wie es um Ihre Attraktivität als Arbeitgeber steht, können Sie unterschiedliche Methoden anwenden. Zu diesen gehören:

  • Umfragen: Sie können über Ihre Webseite und Karriereseite Besucher*innen an einer Umfrage teilnehmen lassen. Am besten sind Aussagen, die mit Noten bewerten werden können, zum Beispiel “Ich würde gerne in diesem Unternehmen arbeiten” – 1 Stimme auf jeden Fall zu - 6 Stimme gar nicht zu.  
  • Befragungen in der Belegschaft: Es hilft, negative Trends frühzeitig zu erkennen, wenn sie regelmäßig die Stimmung bei Ihrer Belegschaft abfragen. Hier eignen sich ebenfalls Umfragen im Intranet oder über E-Mails.
  • Absagen von Bewerber*innen analysieren: Vergleichen Sie immer wieder die Zahlen derer, die sich beworben haben, mit den Absprungraten. Wie viele sind schon im Bewerbungsprozess abgesprungen, wie viele sind in der Probezeit?

Die Arbeitgeberattraktivität von außen gesehen

Arbeitnehmer*innen suchen Arbeitsplätze, an denen sie sich wohlfühlen können. Dabei spielen das Betriebsklima, die Unternehmenskultur und die Außendarstellung eine große Rolle. Für Außenstehende sind diese nicht immer greifbar, deshalb müssen Sie sich auf Schilderungen anderer verlassen.

Bei vielen spielen sozialen Netzwerke und Bewertungsportale eine bedeutende Rolle. Auf den Business-Plattformen wie Xing und LinkedIn finden sich Mitarbeiter*innen einer Firma, die befragt werden können. Außerdem kann man über die Beiträge dieser Personen einen ersten Einblick in das Unternehmen bekommen.

Bei Bewertungsplattformen wie kununu erhalten Nutzer*innen umfangreiche Informationen über Ihre Firma und die Qualität als Arbeitgeber. Diese Bewertungen sind ein Gradmesser des Employer Brandings. Gute Bewertungen erhöhen Ihre Attraktivität, schlechte Bewertungen hingegen werden potenzielle Bewerber*innen eher abschrecken.

Die Wirkung als Arbeitgeber nach innen

Bei der Attraktivität geht es nicht alleine um die Außenwirkung. Sie werden sich Gedanken machen müssen, wie Sie in der Belegschaft gesehen werden. Die Leistungen, die Sie Bewerber*innen anbieten, müssen natürlich ebenso für die eigenen Angestellten zur Verfügung stehen. 

Ein attraktives Unternehmen zieht nicht nur hervorragende Talente an, sondern kann seine Mitarbeiter*innen langfristig an sich binden. Wenn die Arbeitsbedingungen gut sind, dann bleiben Angestellte länger, sind produktiver und empfehlen Ihr Unternehmen an andere weiter. So können Sie wiederum die Außenwirkung erheblich verbessern.

Bei vielen Arbeitenden ist die Work-Life-Balance ein Faktor, der die Zufriedenheit am Arbeitsplatz bestimmt. Sie machen sich beliebt, wenn sie flexible Arbeitszeiten anbieten und nach Ende des Arbeitstages keine E-Mails oder Textnachrichten mehr verschicken. 

Mitarbeiter*innen, die ihre Arbeit als sinnvoll und erfüllend betrachten, werben eher nach außen für Sie als Arbeitgeber. Zufriedene Beschäftigte sind gut für das Betriebsklima und wichtig für Ihr Employee Branding.

Die besonderen Anforderungen der Boomer, Millennials und der Generation Z

Eine der Herausforderungen beim Employer Branding sind die unterschiedlichen Zielgruppen. Diese drücken sich nicht nur in den Anforderungsprofilen aus, sondern auch in den Altersgruppen. Die Arbeitgeberattraktivität wird von jeder Generation anders bewertet.

Das wollen Boomer von einem Arbeitgeber

Die Babyboomer haben eine lange Berufserfahrung und man kann ihnen nichts mehr vormachen. Sie suchen so kurz vor der Rente Sicherheit, manchmal eine neue Herausforderung und wollen ernst genommen werden. Diese Altersgruppe wünscht sich Arbeitgeber, bei denen sie ihre Ideen einbringen und umsetzen kann. Arbeit ist für sie der Lebensmittelpunkt. Gleichzeitig gelten sie als konservativ und Veränderungen eher weniger aufgeschlossen.

Die Generation Y erwartet Wertschätzung

Zu den Kennzeichen der Generation Y gehören der Wunsch nach einer positiven Arbeitsatmosphäre und die Wertschätzung der Leistung. Diese wird nicht nur in Gehalt ausgedrückt, sondern auch im Verhalten von Vorgesetzten. Millennials suchen Unternehmen, in denen sie in ihrer ganzen Persönlichkeit wahrgenommen werden. Während die Eltern noch ganz in der Arbeit aufgegangen sind, hat diese Generation die Work-Life-Balance für sich entdeckt. Sie erwartet zum Beispiel vom Arbeitgeber, dass dieser familienfreundlich ist. 

Die Generation Z findet moderne Arbeitsplätze attraktiv

Bei der Gruppe der jungen Arbeitnehmer*innen finden sich wieder andere Werte. Sie suchen Chancen, sich weiterzuentwickeln und Karriere machen zu können. Sie sind Teamplayer, die in der digitalen Welt zu Hause sind und entsprechend ausgerüstete Arbeitsplätze erwarten. Diversität ist eine Grundvoraussetzung für diese jungen Menschen, ebenso wie sie international aufgestellt sind und sich um die Zukunft der Erde Sorgen machen. Ein Arbeitgeber, der nachhaltig produziert und eine inklusive Personalpolitik verfolgt, wird bei der Generation Z mit seiner Attraktivität punkten.

10 Tipps, um die Arbeitgeberattraktivität zu verbessern

Sie können in vielen Bereichen Ihr Image als Arbeitgeber verbessern und so die Qualität der Bewerber*innen erhöhen und genügend qualifizierte Kandidat*innen anlocken. Diese schauen sich ihren potenziellen neuen Arbeitsplatz genau an und werden Ihnen Fragen nach für sie wichtigen Faktoren stellen. Je zufriedenstellender Sie diese beantworten können, umso besser ist Ihre Arbeitgeberattraktivität und umso größer ist die Chance, dass Bewerber*innen bei Ihnen anfangen wollen.

1. Moderner, digitaler Arbeitsplatz

Arbeitnehmer*innen, die sich bei Ihnen bewerben, wollen sich oftmals was die Arbeitsumgebung betrifft verbessern. Die Generation Y und Z erwarten einen modernen Arbeitsplatz und weitgehend digitalisierte Prozesse. Papier spielt keine Rolle mehr, Kommunikation findet persönlich oder über Apps wie Slack und Twist statt. Es muss möglich sein, von anderen Orten einen Teil der Tagesarbeit erledigen zu können. 

2. Flexible Arbeitszeiten

Wissensarbeit ist heute weniger denn je an Produktionsprozesse gebunden. Das bedeutet, dass die Anwesenheit an einem bestimmten Ort (wie am Fließband) im modernen Büro einen anderen Stellenwert hat. Grob gesagt erwarten Mitarbeiter*innen, dass nicht die Zeit bewertet wird, in der sie eine Arbeit erledigen, sondern die Qualität. 

Hinzu kommt das Thema Work-Life-Balance: Wenn jemand morgens noch ins Fitnessstudio möchte oder am frühen Abend, dann können die Arbeitszeiten entsprechend angepasst werden. Möglich sind Samstagsarbeit und dann ein freier Tag in der Woche. Sie können sogar noch weiter gehen und die Wochenarbeitszeit kürzen, wenn dadurch die Arbeitsleistung die gleiche bleibt. 

Beispiel: Die Magnetix Online Marketing GmbH ist ein Unternehmen aus Bad Leonfelden in Österreich mit 28 Mitarbeiter*innen. Die Firma hat eine 30 Stunden Woche eingeführt, bei vollem Gehalt. Die Produktivität ist gleich geblieben. 

3. Gesundheit der Mitarbeiter*innen fördern

Wer viel an einem Bildschirm arbeitet, wird sich nicht ausreichend bewegen. Gleichzeitig ist vielen Menschen ihre Fitness wichtig. Sie kann Krankheiten vorbeugen, erhöht das allgemeine Wohlbefinden und hat sogar positive Auswirkungen auf unsere Kreativität. Unternehmen, denen ihre Mitarbeiter*innen und deren Gesundheit am Herzen liegen, machen entsprechende Angebote. 

Das Spektrum ist groß: Am einfachsten ist ein Zuschuss zum Fitnessstudio oder anderen Sportangeboten. Je nach Unternehmensgrößen können Sie interne Sportangebote machen – zum Beispiel, in dem sie gemeinsam Fußball spielen, ein Badminton-Turnier ausrichten oder Wandern gehen. Auch Maßnahmen zur Stressbewältigung gehören zur Gesundheitsförderung.

Um die Gesundheit der Beschäftigten zu verbessern, können Sie eine Rückenschule einführen – Expert*innen der Krankenkassen oder Physiotherapeut*innen kommen dann ins Haus. Auch Yoga-Klassen, Meditation und andere Übungen sind recht einfach in den Firmenräumen durchzuführen. Solche Angebote wissen Bewerber*innen besonders zu schätzen, weil sich die Maßnahmen am Arbeitsplatz angeboten bekommen. So müssen sie nicht nach der Arbeit noch in ein Studio oder eine Praxis fahren.

4. Weiterbildungsmaßnahmen

Lebenslanges Lernen ist sehr geachtet bei Arbeitnehmer*innen. Sie haben erkannt, dass jedes Wissen expandiert werden kann. Unternehmen, die ihnen bei der Weiterbildung helfen, haben einen höheren Stellenwert bei Bewerber*innen.

Sie können Ihre Arbeitgeberattraktivität dadurch erhöhen, dass Sie nicht nur fachspezifische Weiterbildung anbieten. Sie können etwa Workshops durchführen, in denen die Softskills weiterentwickelt werden. Darin können Teilnehmer*innen lernen, wie sie emphatischer sind, wie Konflikte gelöst werden können oder wie sie ihre persönlichen Ziele besser erreichen können. 

Der Bereich der Führungskräfte-Ausbildung liegt in vielen Firmen brach. Dabei wünschen sich Arbeitnehmer*innen heute Unterstützung bei der Führung zu bekommen – gerade dann, wenn sie zum ersten Mal Personalverantwortung übernehmen oder ein Team leiten sollen.

5. Familienfreundlicher Betrieb

Dass heute beide Elternteile arbeiten, ist fast schon die Regel. Dass Doppelverdiener*innen kein leichtes Leben haben, wenn es um die Kinderbetreuung geht, wissen viele junge Eltern aus eigener Erfahrung. Umso wichtiger ist es, dass Arbeitsplatz und Arbeitszeiten familiengerecht sind. Sie können hier mit Kita-Zuschüssen punkten und die finanzielle Belastung der jungen Eltern verringern. Große Firmen haben eine eigene Kinderbetreuung eingerichtet. Manchmal reichen sogar kleine Gesten – wenn Angestellte früher nach Hause müssen oder später kommen, können sie die Zeit nacharbeiten oder gar von zu Hause aus weiterarbeiten.

6. Umweltfreundliches Unternehmen

Der Klimawandel und nachhaltiger Produktion sind die beiden wichtigen Themen. Für junge Mitarbeiter*innen sind das nicht nur große Worte, sie wollen Taten sehen. Sie können das Ansehen Ihres Unternehmens schon dadurch verbessern, in dem Sie ein Nachhaltigkeitskonzept erstellen und umsetzen. Strom aus erneuerbaren Energien oder eine Solaranlage macht Eindruck bei Bewerber*innen. 

Im produzierenden Gewerbe wird von Kandidat*innen Wert auf eine umweltfreundliche Herstellung gelegt – wer recycelt, Öko-Rohstoffe benutzt und den Wasserverbrauch einschränkt, kann damit Stellensuchende beeindrucken. 

7. Perspektiven geben

Zwar ist es immer schwieriger, die Zukunft zu planen. Aber Arbeitnehmer*innen möchten in einem Unternehmen Aufstiegs- und Entwicklungschancen haben. Dazu gehört die Aus- und Weiterbildung, aber ebenso Karrieremöglichkeiten. Diese sollten Sie bereits beim Einstellungsgespräch aufzeigen. Sie können zur Personalentwicklung beispielsweise feste Programme einrichten, in denen Führungskräfte ausgebildet werden. 

8. Teams stärken

Teams arbeiten dann am besten, wenn sie optimalen Arbeitsbedingungen vorfinden. Es liegt an Ihnen, ein bestmögliches Umfeld für Teams zu schaffen. Moderne Arbeitssuchende sind es gewohnt, mit immer wieder wechselnden Kolleg*innen an Projekten zu arbeiten. 

Sie schätzen es, wenn Firmen die notwendige Infrastruktur und entsprechendes Personal zur Verfügung stellen. Von Vorteil für das Employer Branding ist es, wenn Sie Teambuilding und die Ausbildung von Teamleitungen anbieten.

9. Professionelle Führung

Noch immer lassen in vielen Unternehmen die Führungsqualitäten zu wünschen übrig. Vorgesetzte werden befördert, ohne eine entsprechende Weiterbildung erhalten zu haben. Mikromanagement ist ebenso verbreitet wie Anordnungen von oben. Damit ziehen Sie heute keine qualifizierten Talente mehr an. Vielmehr erwarten Bewerber*innen, dass Sie ein professionelles Führungskräftemanagement vorweisen können. 

Neben Führungskräfte-Programmen sind darin flache Hierarchien, Management-Workshops und interne Feedbackmöglichkeiten wie Mitarbeitergespräche eingeschlossen. 

10. Authentische Präsenz in sozialen Medien

Ein Großteil der Außenwirkung findet heute im digitalen Universum statt. Ihr Unternehmen wird zu einem großen Teil in sozialen Medien wahrgenommen. Die Business-Netzwerke Xing und LinkedIn stehen dabei ganz oben in der Liste, Facebook spielt aber ebenso eine große Rolle. Um nach außen hin als Arbeitgeber positiv dazustehen, müssen Sie über sich sprechen und sich darstellen. Die besten Programme für Mitarbeiter*innen helfen nichts, wenn niemand davon erfährt.


Eine Kommunikationsstrategie ist die Basis für das Employer Branding. Legen Sie fest, welche Bewerber*innen-Zielgruppen Sie ansprechen wollen und welche Botschaften Sie dafür verwenden wollen.

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