Das Videointerview: Ein Leitfaden für Personalverantwortliche

Zuletzt aktualisiert:
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19/5/2022
19/5/2022
Minuten Lesedauer
Ein Videointerview ist effizienter, kostengünstiger und gut für das Employer Branding. Wir sagen Ihnen, worauf Sie bei Videointerviews achten sollten.
Inhalt

Ein Videointerview erleichtert es Ihnen, viele Kandidat*innen in einer recht kurzen Zeit kennenzulernen. Es ist kurzfristig durchführbar und die Anreisekosten entfallen. Allerdings sollen Sie bei einem Videointerview auf einige Unterschiede zu einem direkten Kontakt achten. Es braucht ein wenig Einarbeitung und Vorbereitung, und es empfiehlt sich, unterschiedliche Arten des Videointerviews zu kennen.

Gegenüber einem Telefoninterview hat das Videointerview den großen Vorteil, dass Sie sich ein Bild von dem*der Kandidat*in machen können. Sie hören nicht nur eine Stimme, sondern sehen auch Mimik und Gestik. Das liefert Ihnen mehr Informationen als bei einem Anruf oder einer schriftlichen Bewerbung. Dafür müssen Sie aber auch einen höheren technischen Aufwand in Kauf nehmen.

Die verschieden Arten von Videointerviews

Bei Videointerviews sind drei Ansätze gebräuchlich, die Sie nach Ihren Bedürfnissen einsetzen können. Wenn Sie die Zeit für mehrere Videocalls haben, dann können Sie diese durchplanen. Eine andere Methode sind zeitversetzte Interviews.

Zeitversetzte Interviews

Bei einem zeitversetzten Videointerview werden Fragen und Antworten wie bei einem Pingpong-Spiel hin- und hergeschickt. Sie nehmen eine Reihe von Fragen auf, die Sie den Bewerber*innen als Videobotschaft zum Herunterladen oder zum Streamen schicken. Diese Fragen beantworten die Kandidat*innen dann in einer Videoaufnahme, die sie an Sie zurücksenden. Idealerweise benutzen Sie dafür eine Recruiting-Software, in die Videofunktionen integriert werden können. Damit haben Sie alle Aufnahmen an einem Ort gespeichert und können sich in Ihrem Bewerbermanagement-System dazu Notizen machen.

Für zeitversetzte Interviews bereiten Sie eine Reihe von Fragen vor, die Sie einmal aufnehmen und dann an Bewerber*innen schicken. In einem frühen Stadium kann das den Prozess beschleunigen. Denken Sie aber daran, dass diese Aufnahmen unpersönlich sind und sie bei Nachfragen neu aufnehmen müssen.

Direktes Videointerview

Bei einem direkten Videointerview telefonieren Sie mit dem*der Bewerber*in in Bild und Ton. Sie machen einen Termin aus und verbinden sich dann über eine zuvor vereinbarte Software. Manche Recruiting-Software bietet Ihnen Schnittstellen, sodass Sie direkt aus dem Programm heraus einen Anruf tätigen oder eine andere Software aufrufen können. 

Sie können ein direktes Videointerview auch als Videokonferenz führen, wenn von Ihrer Seite mehr als eine Person teilnehmen soll. Ein*e weitere*e Teilnehmer*in als eigener Bildschirm ist meistens eine bessere Lösung, als wenn sich die andere Person mühsam ins Bild hinein lehnen muss. Auch ist der Ton und die Verständlichkeit dann besser.

Video Pitch

Der Video Pitch ist eine Sonderform des Videointerviews. Dabei schicken Ihnen Bewerber*innen eine Bewerbung als Videoaufnahme. Diese kann frei gestaltet sein oder Sie verlangen, dass bestimmte Fragen beantwortet werden. Bei einem Pitch senden Sie aber kein eigenes Video zurück. 

Der Vorteil des Video Pitches liegt darin, dass Sie sich gegenüber einem Lebenslauf einen besseren Gesamteindruck von der Person machen können.

Das sind die größten Vorteile bei Videointerviews


  • Praktisch: Mit einem Videointerview können Sie Kandidat*innen erreichen, die nicht in der Region wohnen. Sie erweitern damit den Kreis an Bewerber*innen und können ohne große Reisekosten selbst mit Interessenten aus dem Ausland sprechen. 
  • Schnelleres Einstellen: Da Videointerviews einfacher zu organisieren sind, werden sie den Einstellungsprozess beschleunigen. Sie müssen nicht mehr darauf warten, dass Kandidat*innen Zeit haben, ins Büro zu kommen. Bei einem Videoanruf muss nur die Zeit für das eigentliche Interview gefunden werden, nicht auch noch die An- und Abfahrtszeit.
  • Jüngere Bewerber*innen erreichen: Die Generation Y und Generation Z erwartet einen weitgehend digitalen Bewerbungs- und Einstellungsprozess, und dazu gehören auch Videointerviews. Sie kommen damit Kandidat*innen entgegen, die sich eventuell auf mehrere Stellen beworben haben. Diese wollen bei der Jobsuche nicht durch die ganze Republik fahren und werden sich nur bei Arbeitgebern melden, die ihnen die Bewerbung erleichtern. 

Das sind die Nachteile bei Videointerviews

  • Geringe Bindung: Da Kandidat*innen sich nicht so stark einbringen müssen wie bei einem persönlichen Treffen, kann es eher dazu kommen, dass sie in letzter Minute absagen. Das kann insbesondere bei eher passiven Personen ein Problem sein.
  • Technische Schwierigkeiten: Jede*r hat schon mal technische Schwierigkeiten bei einem Videoanruf erlebt. Videointerviews sind da keine Ausnahme. Und das kann manchmal für den Arbeitgeber peinlich sein. 
  • Mehr Vorbereitung: Zusätzlich zur normalen Vorbereitung auf ein Interview müssen Sie die Technik checken. Das kann gerade am Anfang etwas zeitaufwendig sein, pendelt sich aber bald auf ein normales Maß ein.

10 Tipps für die Durchführung eines reibungslosen Videointerviews

Ein Videointerview ist mehr als ein FaceTime-Anruf. Sie wollen ein Ziel erreichen, einen professionellen Eindruck als Arbeitgeber hinterlassen und den*die Bewerber*in kennenlernen. Je besser Sie sich und Ihr Team auf ein Videointerview vorbereiten, umso erfolgreicher werden Sie damit sein. Wie in vielen Bereichen im Recruiting bietet sich an, aus einem Videointerview einen Prozess zu machen, der bei allen Gesprächen gleich ist und Ihnen einiges an Zeit sparen kann.

1. Einladung versenden

Für ein Videointerview können Sie eine E-Mail formulieren oder sich in Ihrer Recruiting-Software Vorlagen zusammenstellen, die dann nur noch an die aktuellen Daten und die jeweilige Person angepasst werden müssen. Eine solche Einladung sollte folgende Daten enthalten:

  • Datum und Zeitpunkt des Interviews
  • Name und Titel des*der Interviewer*in
  • Angaben, wie man am Anruf teilnehmen kann. Dazu gehören ein Link zum Anruf und Angaben, ob bestimmte Software notwendig ist und welcher Browser genutzt werden sollte 
  • Tipps, was gemacht wird, wenn die Verbindung abbricht, um Beispiel eine Telefonnummer oder ein WhatsApp-Kontakt. 
  • Ratschläge an Kandidat*innen, zum Beispiel welcher Dresscode erwartet wird, dass man auch früher da sein kann, dass ein ruhiger und heller Raum genutzt werden sollte

2. Technik beim Videointerview festlegen und prüfen

Wenn Sie gerade damit beginnen, Videointerviews einzuführen, sollten Sie auf jeden Fall einige Testgespräche im Unternehmen führen. Probieren Sie aus, welche Software sich bei Ihnen am besten eignet, wie gut der Ton ist und ob Sie sich mit der Software auskennen. Einen kurzen Check sollten Sie vor jedem Interview machen. 

Sie können heute von einem Laptop aus gute Bilder machen. Erhöhen Sie den Blickwinkel aber so, dass die Kamera direkt auf Augenhöhe ist. Wenn Sie das Videointerview mit einem Handy machen wollen, befestigen Sie es in einer Halterung und schließen Sie es an die Stromversorgung an.

3. Raum buchen und Ausleuchtung überprüfen

Suchen Sie sich für das Videointerview einen ruhigen Raum aus, in dem Sie nicht gestört werden. Am besten einen Meetingraum rechtzeitig buchen und blockieren. Je kleiner, umso weniger Echo wird es geben. Denken Sie auch daran, dass Ihr Gesicht und Oberkörper gut ausgeleuchtet sein sollten. Sie können eine kleine LED-Ringleuchte hinter der Kamera verwenden und ein wenig Grundlicht im Raum selbst anschalten. 

4. Seien Sie als Erster im Call

Es ist immer besser, wenn Sie bereits ein paar Minuten früher online sind, gerade bei einem Videointerview mit mehreren Teilnehmer*innen. Sie online zu sehen nimmt den Druck von Bewerber*innen, dass vielleicht die Technik nicht funktioniert. 

5. Beginnen Sie mit Small Talk

Wenn ein*e Kandidat*in zum Interview persönlich kommt, zeigen Sie meistens erstmal das Büro und plaudern dabei ein wenig. Beim Videointerview ist das etwas anders. Sie sollten sich dennoch die Zeit für etwas Small Talk nehmen und das Eis brechen.

Markieren Sie sich private Anmerkungen wie Hobbys oder soziales Engagement im Lebenslauf und fragen danach. Sie können auch nach dem Wohnort fragen und wie dort gerade das Wetter ist oder wo sich die Person zum Zeitpunkt des Interviews befindet. 

6. Legen Sie sich Fragen zurecht

Eine der wichtigsten Anregungen für ein Videointerview sind Fragen, die Sie sich zurechtgelegt haben sollten. Am besten drucken Sie diese aus oder benutzen ein Tablet, damit sie nicht umständlich am Computer vor der Webcam hantieren müssen. Arbeiten Sie die wichtigsten Fragen ab. Kommen im Verlauf des Gesprächs neue hinzu, notieren Sie diese auf dem Papier oder dem Tablet. Vergessen Sie aber nicht, dass Sie sich auch einen Gesamteindruck des*der Kandidat*in machen wollen. Am Ende können Sie für wenige Minuten ins Plaudern kommen. 

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7. Notizen in der Recruiting-Software machen

Sie werden sich im Laufe des Videointerviews einige Notizen machen wollen. Wenn Sie eine moderne Recruitment Software benutzen, dann wird diese für jedes Meeting ein Feld anlegen, in das Sie Anmerkungen eintragen können. Diese werden dann dem Kandidat*innen-Profil zugeordnet und können von allen berechtigten Mitarbeiter*innen in Ihrem Team eingesehen werden. 

8. Verhalten Sie sich so professionell wie bei einem direkten Gespräch

Ein Videointerview ist genauso wichtig wie ein persönliches Treffen und entsprechend sollten Sie sich verhalten. So wie Sie von Ihrem Gegenüber ein gepflegtes Auftreten erwarten, sollten Sie selbst auch entsprechend den Gepflogenheiten im Unternehmen angezogen sein. Stellen Sie die Kameraübertragung auf Augenhöhe ein. Videointerviews “On the Go” mit einem Smartphone in der Hand sind ein klares No-No. 

9. Die nächsten Schritte vereinbaren

Meistens ist ein Videointerview eine erste Kontaktaufnahme nach der Vorauswahl. Wenn Sie ein gutes Gefühl haben und die Qualifikationen stimmen, dann sollten Sie am Ende des Gesprächs die weiteren Schritte der Candidate Journey vereinbaren. Oftmals kommt dann nochmal ein*e Personalverantwortliche*r ins Spiel. Sie können auch die Geschäftsführung hinzuzuziehen oder zukünftige Kolleg*innen anfragen. Vereinbaren Sie am besten gleich mit dem*der Bewerber*in einen weiteren Termin oder kündigen Sie Terminvorschläge an.

10. Schnelles Feedback geben

Selbst wenn Sie sich noch nicht so sicher sind, ob ein*e Kandidat*in eine Runde weiterkommt: Schnelles Feedback ist wichtig. Gleich nach dem Gespräch sollten Sie eine E-Mail versenden, in der Sie sich für das Gespräch bedanken. Sollten Sie bereits eine Entscheidung getroffen haben, den*die Bewerber*in abzulehnen, teilen Sie das direkt mit. Ist das nicht der Fall, können Sie einen Zeitraum angeben, in dem Sie sich erneut melden werden.


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Tipps von der Expertin zu erfolgreichen Videointerviews

Rebecca Clarke, Recruitee’s Personalverantwortliche, ist eine Recruiterin, die wirklich alles aus Videointerviews herausholt. Mit Bewerbungen aus ganz Europa ist es eben nicht immer möglich, die Kandidat*innen vor Ort zu treffen. Rebecca gibt Ihnen einige ihrer besten Tipps zur Kunst des Videointerviews.

Tipp 1: Zeit nehmen

Ohne persönlichen Kontakt ist die Herstellung einer angenehmen Atmosphäre mit den Kandidat*innen die erste Herausforderung: „Wenn Sie nur Videos oder Remote-Interviews nutzen, nehmen Sie sich Zeit für ein entspanntes Gespräch, um die Person wirklich kennenzulernen.“

Tipp 2: Zeit geben

Nach dem Small-Talk geht es meist direkt zur Sache.  „Geben Sie Kandidat*innen mehr Zeit, wenn es um situative Fragen geht, da sie sich gedrängt fühlen könnten. Sie müssen die Stille nicht füllen. Achten Sie auf die kleinen unausgesprochenen Verhaltensweisen und wie Ihr Gegenüber auf soziale Hinweise reagiert. Es ist vielleicht etwas schwieriger, aber konzentrieren Sie sich auf Ton, Ausdruck, Blickkontakt usw. “

Tipp 3: Beobachten

Während des Gesprächs sollten Sie bereits erste Eindrücke sammeln. “Fragen Sie sich: ‘Hört mein Gegenüber zu? Ist die Person engagiert und wirklich leidenschaftlich bei der Sache?’ Diese Dinge helfen Ihnen, Bewerber*innen im Videointerview besser einzuschätzen.”

Tipp 4: Alarmzeichen

Wie bei jedem anderen Interview gibt es ein paar Dinge, auf die Sie achten sollten: „Warnzeichen: Kandidat*innen, die sich nicht über die Firma und Position informiert haben. Sie sind offensichtlich nicht wirklich interessiert, was besonders dann wichtig wird, wenn es um einen größeren Umzug gehen sollte oder eben um einen kleineren Aufwand wie im Videointerview.”

Tipp 5: Prozess anpassen

Rebecca nennt ihren wichtigsten Rat für Videointerviews: „Bleiben Sie bei Ihren üblichen Prozessen, aber passen Sie diese an. Überspringen Sie nicht wichtige Schritte wie beispielsweise die Tests. Bei Recruitee nutzen wir einen ganzen Vormittag mit Aufgaben und Präsentationen. Der einzige Unterschied bei Bewerber*innen, die wir nur per Video kennen, ist, dass sie ihre Aufgaben komplett virtuell erledigen.”

Diese Software eignet sich am besten für Videointerviews

Am praktischsten ist im Recruiting eine Softwarelösung, aus der heraus Sie direkt oder über eine Schnittstelle einen Videoanruf tätigen können. Da diese Lösungen im Browser gestartet werden, brauchen weder Sie noch Ihr Gegenüber eine eigene Software zu installieren.

Es gibt aber auch Gründe, warum Sie eine eigenständige Videokonferenz-Lösung bevorzugen, zum Beispiel wenn es mehrere Teilnehmer*innen gibt oder Ihr Unternehmen diese ohnehin als Standard verwendet.

Dies sind die besten Softwarelösunfen für Videointerviews:

  • Zoom: Wenn Sie als Unternehmen Ihre Videokonferenzen über Zoom abhalten, dann können Sie darüber ein Videointerview führen. Die eingeladene Person kann einem Link folgen, der entweder die Software auf deren Computer öffnet oder den Anruf in einem Browser öffnet. Für die Bewerber*innen entstehen dabei keine Kosten.
  • Microsoft Teams: Wer sich in der Office-Welt von Microsoft bewegt, wird Teams auch intern als Kommunikationstool benutzen. Nicht alle Bewerber*innen haben aber ein Microsoft-Konto oder die Software, weil sie selten privat genutzt wird. Grundsätzlich funktioniert Teams aber auch mit einem Link für den Browser, sogar auf mobilen Geräten.
  • Skype: Heute fast schon ein Klassiker ist die zu Microsoft gehörende Video- und Audio-Konferenzlösung. Der große Vorteil: Fast jeder kennt sich damit aus und kann Sie bedienen, die Bild- und Tonqualität ist mehr als ausreichend.
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