10 Tipps, den Arbeitsplatz LGBTQ+ freundlich zu gestalten

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2022
29.6.22
29/6/2022
29/6/2022
Minuten Lesedauer
Jim Lurion
Recruitee
Erfahren Sie, warum die Einbeziehung von LGBTQ+ Gruppen am Arbeitsplatz wichtig ist und wie Sie den Arbeitsplatz LGBTQ+ freundlicher gestalten können
Inhalt

Eine von Elite Partner durchgeführten Umfrage zeigt, dass circa 8 % der deutschen Bevölkerung angibt, homo- (4 %) bisexuell (3 %) oder anders (1 %) zu sein. 85 % gaben an, heterosexuell zu sein. Rund 8 % machten keine Angabe.

Fest steht: Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung in Deutschland ordnet sich der LGBTQ+ Szene zu. Da liegt es auf der Hand, dass Sie sich als Unternehmen damit beschäftigen müssen, ein LGBTQ+ freundliches Arbeitsklima zu schaffen.

Doch während viele Unternehmen Vielfalt und Integration als Priorität bezeichnen, stehen LGBTQ+-Fachkräfte aufgrund ihrer geschlechtlichen Identität oder sexuellen Orientierung immer noch vor besonderen Herausforderungen am Arbeitsplatz.

Dabei ist allgemein bekannt, dass Unternehmen mit einer vielfältigen Belegschaft in Hinblick auf Mitarbeiterzufriedenheit, Produktivität und Gewinn besser abschneiden.

Um die Vielfalt am Arbeitsplatz zu erhalten, ist allein die Einstellung von Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund nicht nachhaltig. Diese sollte begleitet sein von einer Arbeitskultur der Integration, die alle Menschen so willkommen heißt, wie sie sind. 

Warum ist die Einbeziehung von LGBTQ+ am Arbeitsplatz wichtig?

Die Vorteile des Aufbaus eines LGBTQ+ diversen Arbeitsumfelds gehen darüber hinaus, dass sich Mitarbeiter*innen aller Sexualitäten und Identitäten integriert und einbezogen fühlen. 

Die LGBTQ+-Integration am Arbeitsplatz kommt Unternehmen in mehrfacher Hinsicht zugute, unter anderem in Bezug auf Rentabilität und Produktivität.

Zu den Vorteilen eines vielfältigen und diversen Arbeitsumfelds gehören:

Außerdem kann laut einer Studie aus den USA von Out Now die Wirtschaft jährlich bis zu 9 Milliarden Dollar einsparen, wenn Unternehmen praktikablere und wirksamere Maßnahmen zur Einbeziehung für LGBTQ+-Mitarbeiter*innen umsetzen. 

Dies wird zum Teil darauf zurückgeführt, dass Kosten durch Stress und gesundheitliche Probleme vermieden werden, wie z. B. durch LGBTQ+-Mitarbeiter*innen, die ihre Identität am Arbeitsplatz verbergen müssen oder Diskriminierung ausgesetzt sind.

Daher ist eine solide Strategie zur Integration von LGBTQ+-Mitarbeitern am Arbeitsplatz aus ethischer und geschäftlicher Sicht von entscheidender Bedeutung. Denn alle Teammitglieder sind zufriedener und produktiver, wenn sie als respektierter Teil innerhalb Ihres Teams arbeiten können.

10 Tipps, den Arbeitsplatz LGBTQ+ freundlich zu gestalten

Im Folgenden finden Sie hilfreiche Tipps, um eine LGBTQ+ freundliche Kultur in Ihrem Unternehmen zu schaffen. 

Wie jede andere vielfältige Gruppe sind auch LGBTQ+ Menschen keine homogene Gruppe. Die Stärkung einer LGBTQ+ freundlichen Kultur sollte daher mit viel Empathie bedacht werden. 

1. Schaffen Sie eine starke, integrative Arbeitspolitik

Überprüfen Sie Ihre Richtlinien, um sicherzustellen, dass die Bedingungen am Arbeitsplatz LGBTQ+ Kolleg*innen ausdrücklich unterstützen.

Eine diverse Arbeitsplatzpolitik ist wichtig, um Diskriminierung zu vermeiden. Sie können auch LGBTQ+-spezifische Richtlinien erstellen, z. B. eine Richtlinie für den Arbeitsplatzwechsel oder  Leitlinien für die Personalabteilung und Vorgesetzte, oder für Kolleg*innen, die sich in der Transformation befinden. 

Mit einer LGBTQ+-spezifischen Richtlinie können Sie Ihr Engagement für die Bekämpfung von Diskriminierung am Arbeitsplatz deutlicher zum Ausdruck bringen.

2. Verwenden Sie eine gendergerechte Sprache

Achten Sie auf die Sprache am Arbeitsplatz, denn die kann entscheidend sein. 

Gendergerechte Sprache kann dazu beitragen, dass sich Teammitglieder geschützt, gestärkt und einbezogen fühlen. Sie ist daher eine weitere wichtige Möglichkeit, sich aktiv für ein gesünderes und diverses Arbeitsumfeld einzusetzen. 

Eine nicht gendergerechte Sprache kann dazu führen, dass sich Mitarbeiter*innen entfremdet und stigmatisiert fühlen.

Gendergerechte Sprache sollte in allen Bereichen des Unternehmens wiederzufinden sein, von der internen Kommunikation bis zur Personalabteilung z. B. in Stellenausschreibungen und Arbeitsverträgen. 

Außerdem ist es wichtig, potenziell verletzende Begriffe zu erkennen, sie anzusprechen und Ihrem Team zu helfen, eine akzeptable Sprache zu verwenden. 

Es kann z. B. vorkommen, dass nicht gendergerechte oder abwertende Ausdrücke in lockeren Gesprächen als Scherz gemeint oder übersehen werden. Stellen Sie klar, dass diese Sprache kein Platz im Unternehmen hat, da sie verletzend sein kann. Dies ist wichtig für den Aufbau einer Arbeitsplatzkultur, basierend auf gegenseitigem Respekt.

Ein Beispiel gendergerechte Sprache zu verwenden ist z. B. das generische Maskulinum mit Gendersternchen zu neutralisieren oder sichtbar zu machen (Beispiel: Mitarbeiter*innen). Andere Möglichkeiten sind bestimmte Pronomen zu vermeiden, wie z. B. statt ‘man’ ‘wir’ zu verwenden. 

Beispiele gendergerechte Sprache

Gendergerechte Sprache versucht das generische Maskulinum im Deutschen zu umgehen und dieses anhand von verschiedenen Alternativen zu neutralisieren. Es gibt mehrere Möglichkeiten, die maskuline Version eines Subjekts zu neutralisieren. Hierzu gehören das Nennen von: 

  • Neutralen Formulierungen
  • Der Paarform
  • Gendern mit bestimmten Sonderzeichen

Zu neutralen Formulierungen gehören z. B. Wörter wie statt ‘Mitarbeiter” “Mitarbeitende” oder statt “Studenten” das Wort  “Studierende” zu verwenden. Bei der Paarform werden sowohl die weibliche als auch die männliche Form genannt, also “Studenten sowie Studentinnen” und “Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen”. Beim Gendern mit bestimmten Sonderzeichen kann ein Sternchen, der Doppelpunkt oder ein Unterstrich verwendet werden, wie z.B. “Mitarbeiter*innen” oder “Student*innen”. 

3. Schaffung von Support-Initiativen für LGBTQ+-Mitarbeiter*innen

Netzwerkgruppen für Mitarbeiter*innen, Mentoring, Konferenzen und Seminare sind entscheidend, um das Arbeitsumfeld für LGBTQ+-Mitarbeiter*innen vielfältiger zu gestalten. Sie können unterstützende Maßnahmen wie LGBTQ+-Kompetenzschulungen, Arbeitsklimaumfragen und Arbeitsgruppen einsetzen. 

Kommunizieren Sie offen mit LGBTQ+ Arbeitsgruppen im Unternehmen, um die Unternehmenskultur und das Mitarbeiterengagement zu verbessern. Außerdem sollten Sie wichtige Informationen über Strategien für mehr Vielfalt am Arbeitsplatz bereitstellen.

4. Bieten Sie LGBTQ+-freundliche Mitarbeiterbenefits an

Mitarbeiterbenefits gehören neben dem Gehalt zu den wichtigsten Faktoren, warum sich Arbeitssuchende für oder gegen einen Job entscheiden. Diese können jedoch ungewollt Personen mit LGBTQ+ Hintergrund ausschließen. 

Bieten Sie Mitarbeiter*innen daher unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung die gleichen Leistungen an, einschließlich Elternzeit und Freistellung.

Denken Sie daran, dass eine nicht gendergerechte Sprache dazu führen kann, dass Leistungen wie Elternzeit LGBTQ+-Personen ungewollt ausschließen können. Stellen Sie sicher, dass Leistungen inklusiv sind, indem Sie alle Mitarbeiter*innen einbeziehen, vor allem mit Hinsicht auf Wortwahl (wie beschrieben im 2. Tipp).

5. Aufbau eines LGBTQ+-Netzwerks

Es gibt viele Ansätze für den Aufbau eines LGBTQ+ freundlichen Netzwerks. Das Ziel ist jedoch klar: die Unterstützung Ihrer LGBTQ+ Mitarbeiter*innen. 

Der Aufbau eines Netzwerks sollten klare Ziele, Ressourcen, Zuständigkeiten und die Unterstützung von Führungskräften auf höchster Ebene haben. 

Die Angestellten Ihres Unternehmens können dazu beitragen, deutlich zu machen, was für sie gut funktioniert und in welchen Bereichen am Arbeitsplatz möglicherweise Anpassungen oder ein neuer Ansatz erforderlich sind. Es geht darum, ihrer Belegschaft eine Stimme zu geben und sie zu vertreten. 

Die Einbindung von Mitarbeitenden in das LGBTQ+ Netzwerk, ob sie nun LGBTQ+ sind oder nicht, ist von entscheidender Bedeutung. Recruitee hat zum Beispiel eine Arbeitsgruppe zu Diversität und Vielfalt ins Leben gerufen, um eine diverse Kultur zu fördern. 

Sowohl Mitarbeiter*innen, die sich als LGBTQ+ identifizieren, als auch  die, die das nicht tun, können der Gruppe beitreten. Die Gruppe setzt sich für Vielfalt und Diversität am Arbeitsplatz ein. Diese trägt auch dazu bei, dass jeder Mitarbeitende etwas für mehr Integration im Unternehmen tun kann.

Der Aufbau eines LGBTQ+-Netzwerks ist besonders wichtig, wenn Ihr Unternehmen auch in Ländern tätig ist, die LGBTQ+-Rechte kriminalisieren. So zeigen Sie, dass Ihr Unternehmen aktiv für Vielfalt und Diversität steht und gegen eine Arbeitspolitik der Diskriminierung. 

6. Kommunikation und Dialog mit Mitarbeitenden

 Informationen über die LGBTQ+ Politik und Richtlinien des Unternehmens sollten für alle Mitarbeitende, Manager*innen und Vorgesetzte leicht zugänglich sein.

Sprechen Sie regelmäßig mit Nicht-LGBTQ+- und LGBTQ+-Mitarbeiter*innen darüber, wie Vielfalt und Diversität im Unternehmen aussehen kann. 

Darüber hinaus sollte darüber gesprochen werden, wie Sie verschiedene Probleme angehen sollten und wie die Belegschaft dazu beitragen kann, sie zu fördern. 

Der Austausch mit den Mitarbeitenden sollte ein fortlaufender Prozess sein, bei dem Sie die zu eingeführten Maßnahmen prüfen, die Auswirkungen durch das Feedback der Angestellten bewerten und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen.

7. Diversity Workshops anbieten

Die Schulung des Personals zur Erkennung und Vermeidung von Diskriminierung am Arbeitsplatz ist für jedes Unternehmen von entscheidender Bedeutung und trägt zur  Chancengleichheit aller Personen bei.

Solche Schulungen sollten sowohl für Mitarbeitende angeboten werden, die neu eingestellt wurden als auch für die schon länger im Unternehmen arbeiten. 

Auch können Erfahrungsberichte von Mitarbeiter*innen am Arbeitsplatz einbezogen werden, um die inklusive Arbeitsplatzkultur zu demonstrieren.

8. Inklusive Einstellungspraktiken einführen

Beim Aufbau einer inklusiven Arbeitskultur ist es wichtig zu bedenken, was Ihr Unternehmen nach Außen hin vermittelt. 

Wenn Sie eine freie Stelle besetzen möchten, sollte die Stellenanzeige LGBTQ+-Fachkräfte in Ihre Suche einbeziehen. Außerdem sollten der Bewerbungsprozess so fair wie möglich verlaufen.

Faire und transparente Bewertungen sollten im Bewerbungsprozess für jede*n Personalverantwortliche*n und jedes Einstellungsteam eine Priorität sein. 

Wie wir das mit Recruitee lösen: Mit der neuen ‘Fairen Bewertungen’ Funktion in Recruitee können Sie und ihr gesamtes Team ganz unvoreingenommen Kandidat*innen bewerten. Neue Bewertungen, die von anderen Teammitgliedern hinzugefügt wurden, werden dann ausgeblendet, bis derjenige, der die Kandidat*innen noch nicht bewertet hat, seine eigene Bewertung hinzufügt.

9. Bewerben Sie Ihr Unternehmen als LGBTQ+ inklusiv

Eine authentische Repräsentation Ihres Unternehmens ist ein praktischer und einfacher Weg, einen inklusiven Arbeitsplatz zu schaffen. Zeigen Sie Ihre Unterstützung, ohne nur Symbolpolitik zu betreiben. 

Unternehmen, die nur symbolisch handeln, ohne Maßnahmen in die Tat umzusetzen, erwecken den Anschein, dass sie Minderheiten zwar unterstützen, aber ihre Werte nicht vertreten. 

Stellen Sie daher sicher, dass Sie sich auf Ihrer Website und sozialen Medien klar als LGBTQ+ inklusiv positionieren. Dies signalisiert bestehenden und neuen Mitarbeitenden, dass Ihr Unternehmen LGBTQ+ Kund*innen, Angestellte und die Werte der Community unterstützt.

10. Gestatten sie Angestellten, eigene Bezeichnungen zu wählen

Manche Menschen finden Bezeichnungen wie “trans”, “bi”,”schwul” oder “queer” akzeptabel und ermutigend. Andere hingegen möchten nicht in eine dieser Kategorien fallen. 

Erlauben Sie Ihren Angestellten, die Bezeichnungen zu wählen, mit denen sie sich auch identifizieren können. 

Wenn Sie eine HR-Software oder eine zentrale Mitarbeiterdatenbank verwenden, vermeiden Sie es, dass Mitarbeitende in ein bestimmtes Raster gesteckt werden (z. B. als weiblich oder männlich identifiziert). 

Achten Sie auf Anzeichen von Diskriminierung

Das Erkennen von Problemen wie Unzufriedenheit oder Stress in der Belegschaft kann Ihnen helfen, Probleme frühzeitig anzugehen – bevor sie eskalieren. 

Sobald Sie Belästigung, Mobbing oder Diskriminierung in Ihrem Unternehmen vermuten, sollten Sie Maßnahmen ergreifen, um das Problem umgehend zu lösen.

Nachhaltig ein LGBTQ+ freundliches Arbeitsumfeld aufbauen

Indem Sie aktiv Maßnahmen ergreifen, um LGBTQ+-Mitarbeitende am Arbeitsplatz einzubeziehen, zeigen Sie Ihr Engagement, die Identitäten Ihrer diversen Belegschaft zu respektieren.

Stellen Sie sicher, dass Sie Ihre Strategie darlegen, indem Sie beschreiben, wie Sie planen, ein vielfältigeres Arbeitsumfeld zu entwickeln und zu stärken. 

Ein klarer Plan, wie und wo Sie Ihr Unternehmen hinführen wollen und wie Sie dieses Ziel erreichen werden, kann auch ein klares Verständnis bei anderen vermitteln.

Fazit

Vielfalt und Integration am Arbeitsplatz ist mehr als nur Symbolpolitik. Diverse Unternehmen gehen noch einen Schritt weiter, indem sie die einzigartigen Perspektiven, Bedürfnisse und das Potenzial ihrer Belegschaft anerkennen und respektieren. 

Infolgedessen schaffen vielfältige und diverse Arbeitsplätze ein tieferes Vertrauen und ein größeres Engagement der Mitarbeitenden.

In der heutigen Arbeitswelt sind Integrationsmaßnahmen, die LGBTQ+-Personen einbeziehen, für den Geschäftserfolg eines Unternehmens entscheidend. 

Unternehmen, die aktiv für Integration sorgen, haben nicht nur den Respekt und die Unterstützung der Gemeinschaft sicher, sondern auch den anderer Minderheiten, die solche Bemühungen als Indikator für einen integrativen Arbeitsplatz anerkennen. 

Darüber hinaus profitieren Unternehmen von den positiven Auswirkungen, die Diversität mit sich bringt, auf fast allen geschäftlichen Ebenen, von der Einstellung und Bindung von Mitarbeiter*innen bis hin zu Gewinn und Umsatz.

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