Telearbeit: Die verschiedenen Formen, Vorteile und Risiken erklärt

Zuletzt aktualisiert:
30.7.2021
24/12/2021
24/12/2021
Minuten Lesedauer
Luisa Spardel
Recruitee
Telearbeit wird bei Angestellten und Unternehmen immer beliebter. Wir erklären die Formen, die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie Vorteile und Risiken.
Inhalt

Um gute Arbeit zu leisten, müssen Mitarbeiter*innen mindestens acht Stunden an fünf Tagen die Woche im Büro verbringen? Weit gefehlt! Dank Laptops, schnellen Internetanschlüssen und Diensten wie Skype und Slack, kann nun fast jeder bequem von zu Hause aus oder unterwegs arbeiten. Theoretisch müssen sich Teammitglieder nicht einmal mehr im selben Land befinden, um gemeinsam ein Projekt zu bewältigen. Das nennt man Telearbeit.

In Deutschland bieten bereits knapp ein Drittel der Unternehmen dies ihren Angestellten an. Laut einer EU Studie arbeiten allerdings nur rund 5 % der Arbeitnehmer*innen tatsächlich von zu Hause aus. Damit liegt Deutschland im EU-Ländervergleich knapp unter dem Durchschnitt. Die Spitzenreiter bei der Heimarbeit sind die Niederländer*innen, bei denen es seit 2015 sogar einen Rechtsanspruch auf das Homeoffice gibt.

Vielleicht ist Telearbeit in deiner Firma schon gang und gäbe, oder du denkst darüber nach, diese neue Arbeitsform einzuführen. In diesem Beitrag erfährst du, was Telearbeit ist und welche unterschiedlichen Formen es gibt. Wir gehen außerdem auf die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie Vorteile und Risiken ein.

Was ist Telearbeit? Eine kurze Definition

Es fasst alle Arbeitsformen zusammen, bei denen Mitarbeiter*innen ihre Arbeit ganz oder teilweise außerhalb der Gebäude des*der Arbeitgeber*in bewältigen. Wenn die Arbeit von zu Hause aus verrichtet wird, spricht man vom Homeoffice. Theoretisch können Angestellte aber auch von überall ihrer Tätigkeit nachgehen – wie einem Hotel auf Geschäftsreise, einer anderen Zweigstelle des Unternehmens oder dem Strand der Urlaubsinsel. Deshalb wird oft auch von mobilem Arbeiten gesprochen.

Welche Formen gibt es?

Telearbeit ist grundsätzlich immer dann möglich, wenn Beschäftigte auch ohne persönliche Anwesenheit ihrem Job nachgehen können. Das kann verschiedene Formen annehmen:

  • Teleheimarbeit (Homeoffice): Der*die Arbeitnehmer*in verrichtet die Arbeit vollständig in seiner*ihrer eigenen Wohnung. Es ist kein Arbeitsplatz in den Räumlichkeiten des Unternehmens für ihn*sie vorgesehen.
  • Alternierende Telearbeit: Dies ist die vorherrschende Variante. Mitarbeiter*innen arbeiten abwechselnd zu Hause und im Unternehmen. Die meisten Firmen stellen hierfür Arbeitsplätze zur Verfügung, die sich mehrere Personen teilen und zu unterschiedlichen Zeiten genutzt werden.
  • Mobile Telearbeit: Diese wird hauptsächlich von Berufsgruppen genutzt, deren Job mit einer hohen Reisetätigkeit verbunden ist. Zu den wechselnden Arbeitsorten zählen Hotels, Züge, Flugzeuge sowie Büros der Kund*innen.
  • On-Site Telearbeit: Diese Form wird oft von externen Berater*innen praktiziert. Hierbei arbeiten die Mitarbeiter*innen für einen festgelegten Zeitraum fast ausschließlich innerhalb der Gebäude und der Infrastruktur eines Fremdunternehmens.
  • Televillages oder Telearbeitszentren: Hier arbeiten Angestellte in eigens angemieteten Büros, die sich häufig in der Nähe von Wohnsiedlungen befinden. Oft teilen sich auch Mitarbeiter*innen verschiedener Unternehmen die Telearbeitsplätze. Die jeweiligen Arbeitgeber*innen sparen Kosten, da die Infrastruktur von mehreren Firmen getragen wird.  

Rechtliche Rahmenbedingungen

In Deutschland gibt es bisher keinen rechtlichen Anspruch auf Telearbeit für Arbeitnehmer*innen. Auch dürfen Arbeitgeber*innen ihre Angestellten nicht ohne weiteres ins Homeoffice schicken. Es bedarf immer des gegenseitigen Einvernehmens zwischen Unternehmen und Mitarbeiter*in. Einigen sich Arbeitnehmer*in und Arbeitgeber*in auf mobiles Arbeiten, dann ist das Unternehmen für die Ausstattung des Arbeitsplatzes verantwortlich.

Die Arbeitsstättenverordnung legt folgendes zum Thema fest:

„Ein Telearbeitsplatz ist vom Arbeitgeber erst dann eingerichtet, wenn Arbeitgeber und Beschäftigte die Bedingungen der Telearbeit arbeitsvertraglich oder im Rahmen einer Vereinbarung festgelegt haben und die benötigte Ausstattung des Telearbeitsplatzes mit Mobiliar, Arbeitsmitteln einschließlich der Kommunikationseinrichtungen durch den Arbeitgeber [...] im Privatbereich des Beschäftigten bereitgestellt und installiert ist.“

Was sind die Vorteile der Telearbeit?

Nicht nur Angestellte profitieren deutlich von Telearbeit. Auch immer mehr Unternehmen erkennen die vielen Vorteile. Die folgenden Aspekte nützen Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen.

Für Arbeitnehmer*innen

  • Der Arbeitsweg fällt weg: Der morgendliche Berufsverkehr sowie überfüllte Bahnen und Busse sind für Telearbeiter*innen kein Problem mehr. Wer von zu Hause aus arbeitet, spart viel Zeit und Geld (z. B. für Benzin oder Zugtickets). Auch der Umwelt kommt dies zugute.    
  • Mehr Flexibilität: Anstatt zwingend von neun bis fünf zu arbeiten, können sich Mitarbeiter*innen ihren Arbeitstag flexibel einteilen. Besonders persönliche Aufgaben wie Arztbesuche, Behördengänge oder die Kinderbetreuung lassen sich dadurch einfacher organisieren. Außerdem sind die Arbeitnehmer*innen deutlich freier in ihrer Wahl des Wohnorts.
  • Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Viele Eltern können schneller in den Beruf zurückkehren, wenn sie die Möglichkeit haben, von zu Hause aus zu arbeiten. So kann das Kind auch betreut werden, wenn es einmal krank ist oder die Öffnungszeiten der Kita nicht den klassischen Bürotag abdecken.
  • Leichtere Freizeitgestaltung: Mitten am Tag ins Fitnessstudio zu gehen ist für Telearbeiter*innen ebenso möglich wie sich unter der Woche in der Nachbarschaft zu organisieren. Die eingesparte Zeit des Arbeitswegs lässt sich flexibel für die eigene Familie, Freunde oder den Lieblingsverein nutzen.
  • Mehr Zufriedenheit: Mehr Freiräume, eigenverantwortliches Arbeiten, weniger Stress – das wirkt sich positiv auf die Mitarbeiter*innen-Zufriedenheit aus. Viele Angestellte sind ausgeglichener und insgesamt einfach glücklicher.

Für Arbeitgeber*innen

  • Kosteneinsparungen: Arbeiten weniger Mitarbeiter*innen im Büro, kann die Firma die angemietete Fläche reduzieren. Das spart Kosten, besonders in Großstädten, wo Büroräume teuer sind.
  • Steigerung der Attraktivität von Arbeitgeber*innen: Mobiles Arbeiten ist ein Trend der New Work, der Arbeitswelt der Zukunft. Gefragte Talente erwarten jetzt schlichtweg die Flexibilität, im Homeoffice arbeiten zu können. Unternehmen, die diese anbieten, stärken ihr Employer Branding und werden für Fachkräfte attraktiver.
  • Gestiegene Produktivität: Mitarbeiter*innen passen ihre Arbeitszeiten ihrem persönlichen Rhythmus an und arbeiten dann, wenn sie besonders produktiv sein können. Statt lautem Großraumbüro und störenden Kolleg*innen, genießen sie im Homeoffice die Stille des eigenen Heims. Vielen fällt es dadurch leichter, sich auf die Arbeit zu konzentrieren, und sie schaffen einfach mehr.
  • Geringere Fluktuation: Das Homeoffice schafft attraktive und flexible Arbeitsbedingungen. Diese steigern die Mitarbeiter*innen-Motivation. Und wenn Arbeitnehmer*innen rundum glücklich und zufrieden im Unternehmen sind, ist es viel unwahrscheinlicher, dass sie sich nach einem neuen Arbeitgeber umsehen. Die Mitarbeiter*innen-Bindung steigt und die Fluktuation sinkt.  
  • Verringerung der krankheitsbedingten Ausfälle: Werden Telearbeiter*innen krank, besteht keine Gefahr, dass sie Kolleg*innen anstecken. Dadurch gibt es weniger „Totalausfälle“ in der saisonalen Krankheitswelle.

Welche Risiken birgt die Telearbeit?

Natürlich gibt es auch eine Kehrseite der Medaille. Das Homeoffice hat durchaus seine Nachteile und Risiken. Welche dies sind und wie Unternehmen und Mitarbeiter*innen deren Auswirkungen verringern können, erfährst du hier.

Die Personalführung und Kontrolle sind erschwert

Das eigene Zuhause birgt leider vielfältige Ablenkungen für Mitarbeiter*innen, die sich eigentlich auf die Arbeit konzentrieren sollten. Das Haustier erwartet Zuwendung, die Küche versinkt im Chaos und YouTube-Videos versprechen schnelle Unterhaltung. Kein Wunder, dass sich viele Vorgesetzte fragen, ob ihre Angestellten tatsächlich produktiv sind.

Der Lösungsansatz: Führungskräfte müssen nun lernen, auf traditionelle Kontrollfunktionen zu verzichten und größeres Vertrauen in ihre Mitarbeiter*innen zu setzen. In der Telearbeitswelt zählen Ergebnisse mehr als der Weg dorthin. Messbare Zielvereinbarungen, die definieren, welche konkreten Ziele Angestellte erreichen müssen, werden jetzt umso wichtiger.

Der menschliche Kontakt fehlt

Soziale Isolation ist ein echtes Problem für Telearbeiter*innen. Sie vermissen die spontanen Kaffeepausen und die Kameradschaft in der Abteilung. Wenn der direkte Kontakt zu Kolleg*innen fehlt, fällt es vielen schwerer, sich als Teil eines Teams zu begreifen. Auch der Kommunikationsfluss wird mitunter erschwert, was zu Missverständnissen und Frustration führen kann.

Der Lösungsansatz: Um diese Problematik so gut es geht zu lindern, sollten digitale Kommunikationsmittel voll ausgenutzt werden. Chats, virtuelle Kaffeepausen per Video und regelmäßige Telefongespräche können Abhilfe schaffen.  

Karrierechancen werden beeinträchtigt

Aus den Augen aus dem Sinn? Telearbeiter*innen befürchten von ihren Vorgesetzten bei Projekten und Beförderungen übergangen zu werden, weil sie nicht ständig im Büro präsent sind. Auch ist es wahrscheinlicher, dass ihre guten Leistungen nicht unmittelbar wahrgenommen werden.

Der Lösungsansatz: Mitarbeiter*innen können dem vorbeugen, indem sie regelmäßige Termine mit ihren Führungskräften vereinbaren und diese so über ihre Fortschritte und Leistungen auf dem Laufenden halten.

Die Trennung von Beruf und Privatleben verschwimmt

In einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung führten 56 % der befragten Arbeitnehmer*innen eine fehlende Trennung von Beruf und Privatleben als Argument gegen das Homeoffice ins Feld. Telearbeit geht leider oft mit der Erwartung einer ständigen Erreichbarkeit einher. Vielen Mitarbeiter*innen fällt es schwerer, wirklich von der Arbeit abzuschalten, wenn diese auch zuhause allgegenwärtig ist.

Der Lösungsansatz: Eine räumliche Trennung des Arbeitsplatzes vom Wohnbereich, wie zum Beispiel ein separates Arbeitszimmer, hilft dabei, eine Barriere zwischen Beruf und Privatleben zu schaffen. Darüber hinaus sollten Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen klare Regeln aufstellen und Erwartungen offen klären, was die Arbeitszeiten und die Erreichbarkeit angeht.  

Datenschutz ist nicht immer gegeben

Datenschutz ist ein heikles Thema. Wichtige Firmeninterna sowie gesetzlich streng geschützte Personendaten dürfen nicht Dritten offenbart werden. Im privaten Umfeld ist dies nicht immer so einfach zu gewährleisten. Das kann es für bestimmte Berufsgruppen unmöglich machen, im Homeoffice zu arbeiten.

Der Lösungsansatz: Es gibt technische Möglichkeiten, die dieses Problem zu einem gewissen Grad lösen. Beispielsweise könnten Unternehmen ein von außen zugängliches, aber geschütztes Firmennetzwerk einrichten, auf das Telearbeiter*innen mit ihren Laptops zugreifen.

Fazit

Telearbeit ist eine moderne, flexible Arbeitsform mit großem Zukunftspotenzial und vielfältigen Vorteilen für Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen. Natürlich birgt sie auch gewisse Risiken, welche aber durch richtige Vorbereitung und klare Regeln entschärft werden können. Ob mobiles Arbeiten sinnvoll ist oder nicht, muss immer im Einzelfall entschieden werden.

Entscheidend ist außerdem, dass die internen Prozesse der Unternehmen für das Homeoffice aufgestellt sind. Dokumente müssen digital in der Cloud vorhanden sein und von überall her abgerufen werden können. Die Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den Mitarbeiter*innen sollte nahtlos erfolgen. Beispielsweise kann ein Team aus Recruiter*innen problemlos mithilfe einer Recruiting-Software wie Recruitee mobil zusammenarbeiten.

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